Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in Mannheim

Die Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs in Mannheim stand im Mittelpunkt eines Veranstaltungsblocks der Jungen Union (JU) Mannheim an den beiden vergangenen Montagen. Am 5. November besuchte die Mannheimer Gruppe zunächst die Bürgerinformationsveranstaltung zum Ausbau des Mannheimer Stadtbahnnetzes und der Anbindung der neuen Stadtquartiere im Stadthaus N1. Eine Woche später, am 12. November, stand Marcus Geithe, der als Geschäftsführer der MKB Mannheimer Kommunalbeteiligungen GmbH für die Steuerung und Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs verantwortlich ist, den Nachwuchspolitikern Rede und Antwort rund um die ÖPNV-Angebote der Zukunft.

Marcus Geithe
Geschäftsführer der MKB Mannheimer Kommunalbeteiligungen GmbH

In Zeiten, in denen in vielen deutschen Städten Dieselfahrverbote drohen oder bereits in Kraft getreten sind, die Gefahren durch den menschengemachten Klimawandel stärker in das öffentliche Bewusstsein rücken und der Zuzug von immer mehr Menschen vom Land in die Städte die Verkehrswege belastet, ist es Aufgabe der Politik, bestehende umweltfreundliche Verkehrskonzepte auszubauen und neue, ökologische Verkehrskonzepte zu entwickeln. Vor diesem Hintergrund stand der geplante Ausbau der Stadtbahn bis 2026 im Mittelpunkt der Diskussion. „Bereits Anfang 2017 waren die für 2020 prognostizierten Fahrgastzahlen erreicht“, zeigte sich Geithe vom Erfolg der letzten Netzerweiterung in Mannheim durch die Stadtbahn Mannheim Nord überrascht. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage sei ein Ausbau des ÖPNV-Netzes notwendig. Besonders am Hauptbahnhof, wo es regelmäßig zu Kapazitätsengpässen komme, sei ein Projekt zum Ausbau der Bahnsteiglänge und zur vollständigen Gewährleistung der Barrierefreiheit initiiert. Darüber hinaus sieht die städtische Planung vor, die im Zuge der Konversion entstehenden Wohn-, Arbeits- und Gewerbeflächen durch eine direkte Stadtbahnanbindung infrastrukturell zu erschließen. Erklärtes Ziel sei es, Benjamin-Franklin-Village zu einem „Muster vorbildlicher Mobilität zu machen und eine attraktive und ökologische Direktverbindung von den neuen Stadtquartieren in die Innenstadt zu gewährleisten. So werden außerdem Anreize geschaffen, auf den Kauf eines eigenen Autos zu verzichten und stattdessen auf verschiedene Mobilitätskonzepte entweder in Form von Carsharing oder Nahverkehr zurückzugreifen“, so Geithe.

Eine Verkürzung der Verkehrstakte im Bahnverkehr und der verstärkte Einsatz von Expressbahnen als Reaktion auf die gestiegene Nachfrage im öffentlichen Nahverkehr sei nur begrenzt möglich. „Wir bekommen ein Problem in Bereichen, in denen sich die Linien in der Innenstadt überlagern. Die Kapazitäten reichen nicht aus. Da sind wir an vielen Stellen bereits heute infrastrukturell an einer Grenze.“ Zumal die Stadtbevölkerung durch die Erschließung neuer Stadtteile in den nächsten Jahren weiterwachsen wird und die Ausbaukapazitäten der Stadtbahn in der Innenstadt erschöpft sind, muss neben dem auf die Innenstadt zentralistisch ausgerichteten Stadtbahnnetz der tangentiale Nahverkehr zwischen den Stadtteilen ausgebaut werden, um so die Innenstadt zu entlasten. „Im Ausbau des Nahverkehrs zwischen den Stadtteilen sehen wir Handlungsbedarf, um die Fahrzeiten hier deutlich zu verkürzen“, pflichtet der JU-Kreisvorsitzende, Philipp Rudi, bei. Auch im Hinblick auf die erhöhte Umweltverträglichkeit von Elektromobilität muss dafür der Bau weiterer Stadtbahnlinien in Erwägung gezogen werden, zeigen sich die Mitglieder der Jungen Union überzeugt. Zwar plant die Stadt Mannheim ab Dezember den verstärkten Einsatz von Bussen mit elektrischen Antriebsformen, allerdings deckt die Batteriegröße die erforderliche Tagesleistung voraussichtlich nicht ganz ab, ein zeitaufwendiges Nachladen wird notwendig und für die Batterien existiert noch kein Nachnutzungskonzept. Bei der Frage, ob sich die Elektromobilität beim Bus tatsächlich durchsetzen kann, zeigte sich auch Marcus Geithe skeptisch.

Die Zukunft des ÖPNV mit Marcus Geithe

Einen weiteren wichtigen Themenkomplex in der Diskussion stellte die Anbindung der Stadt Mannheim an Nachbarstädte und -gemeinden durch den ÖPNV dar. Während des Abrisses und der Sanierung der Ludwigshafener Hochstraßen ab 2023/2024 kann die Kurt-Schumacher-Brücke über den Rhein durch den ÖPNV nicht bedient werden, weshalb rheinüberschreitende Expresslinien und Taktverkürzungen bei den Bahnlinien über die Konrad-Adenauer-Brücke geplant sind. Zur Schaffung weiterer Kapazitäten wird über die Errichtung einer Seilbahn über den Rhein diskutiert. Um den Autoverkehr nach und aus Mannheim zu reduzieren, sollte die Anbindung der Nachbargemeinden durch den öffentlichen Nahverkehr, wie z.B. Brühl, Ketsch und Ilvesheim, wieder verstärkt in den Fokus rücken. „Die Stadt muss bei diesem Thema verstärkt auf die Nachbargemeinden zugehen, damit auch diese ihren Anteil leisten“, so Dominik Cloppenburg, Mitglied im JU-Kreisvorstand.

Um mehr Menschen zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu bewegen, müssen auch Angebote für den Weg zur Haltestelle und zurück gemacht werden. „Problematisch ist die letzte Meile, nämlich der Weg zur Haltestelle und der Weg von der Haltestelle zurück. Davon werden die Leute abgeschreckt“, zeigte sich auch Marcus Geithe überzeugt. Im In- und Ausland getestete Varianten reichen von Carsharing-Angeboten über Fahrradverleih und geteilte Tretroller bis hin zu per App georderten Shuttlebussen. Die Mitglieder der Jungen Union sind sich einig, dass ein flexibles Angebot zur Überwindung der letzten Meile die Akzeptanz des ÖPNV in der Bevölkerung erhöhen wird. „Der Ausbau des Nextbike-Angebots in den Stadtteilen und eine bessere Verfügbarkeit von Fahrrädern an den Stationen wäre hier eine sinnvolle Maßnahme“, ist sich Anna Basten, Mitglied im JU-Kreisvorstand, abschließend sicher.

Forderung von JU & CDU umgesetzt: Haltestelle gesichert

Knapp zwei Monate nach dem letzten schweren Verkehrsunfall wurde die gemeinsame Forderung von Junger Union (JU) Mannheim und dem CDU-Ortsverband Neckarau nach einer baulichen Sicherung der Straßenbahnhaltestelle „Friedrichstraße“ umgesetzt. Zukünftig schütz eine über die gesamte Länge der Haltestelle montierte Leitplanke wartende Fahrgäste vor außer Kontrolle geratenen Fahrzeugen.
Wiederholt haben einige Fahrer im vergangenen halben Jahr aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verloren und waren in das Wartehäuschen der Haltestelle geschleudert.
„Als JU Mannheim werden wir weiterhin die Entwicklung der Unfallzahlen entlang der Neckarauer Straße beobachten. Das vermehrte Vorkommen von Autos, die in Straßenbahnhaltestellen krachen, wie zuletzt auch an der „Voltastraße“ geschehen, bereitet uns sorgen. Für uns ist klar: Die Neckarauer Straße darf nicht zur Rennstrecke werden! Daher halten wir eine ergebnisoffene Prüfung der Durchführung von regelmäßigen verdeckten Geschwindigkeitskontrollen weiterhin für dringend geboten“, so JU-Chef Lorenz Siegel abschließend.

JU & CDU: Haltestelle mit Schutzplanken sichern

Die Junge Union Mannheim (JU) und der CDU-Ortsverband Neckarau fordern nach wiederholten Unfällen eine nachhaltige Sicherung der Straßenbahn-Haltestelle „Friedrichstraße“ in Neckarau. Zuletzt raste am Freitag, den 12.05.2017, ein Autofahrer in das Wartehäuschen der Haltestellenseite mit Fahrtrichtung Rheinau.

„Verursacht durch überhöhte Geschwindigkeit, Fahrfehler und Unachtsamkeit im Straßenverkehr krachen fast schon regelmäßig Autos in die wohl am stärksten genutzte Straßenbahn-Haltestelle in Neckarau. So darf es nicht weitergehen! Hier stehen im Zweifel Menschenleben auf dem Spiel. Eine bauliche Befestigung mit Leitplanken – wie vor dem Umbau im Jahre 2011 vorhanden – gilt es unverzüglich wiederherzustellen“, so der Neckarauer CDU-Ortsvorsitzende Stefan Busch und JU-Chef Lorenz Siegel einhellig.

Nach Meinung der Christdemokraten sind die Mannheimer Stadtverwaltung und die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) jetzt gefordert, geeignete Maßnahmen zu treffen, um künftig schwere Unglücke zu verhindern. Weiter halten sie eine ergebnisoffene Prüfung der Durchführung von regelmäßigen verdeckten Geschwindigkeitskontrollen für geboten. Der Bereich um die Straßenbahn-Haltestelle dürfe sich nicht zum Unfallschwerpunkt entwickeln. Die Fahrer der Unfallwagen hatten in der Vergangenheit die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verloren und waren in das Wartehäuschen der Haltestelle geschleudert. Die Vorsitzenden von JU und CDU kündigten an, sich sowohl im Bezirksbeirat als auch in der Kreispartei und Gemeinderatsfraktion mit besonderem Nachdruck für die Sicherheit der wartenden Fahrgäste einsetzen zu wollen.

 

 

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