Meister statt Master – JU im Gespräch mit der Kreishandwerkerschaft Rhein-Neckar

Im Gespräch mit Tobias Menzer, Achim Bauer & Sebastian Busch

Im Gespräch mit Tobias Menzer, Achim Bauer & Sebastian Busch

Das Handwerk bildet mit fast einer Millionen Betrieben und über 130 verschiedenen Ausbildungsberufen das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Die wirtschaftlichen Aussichten sind gut und die Auftragsbücher voll. Dennoch steht das Handwerk vor großen Herausforderungen. Die anstehende Verkehrswende, zunehmender bürokratischer Aufwand und die Konkurrenz durch die Industrie machen den Handwerksbetrieben das Leben schwer. Die größte Bedrohung für die Zukunft des Handwerks stellt jedoch der Fachkräftemangel dar. Immer mehr junge Leute ziehen ein Hochschulstudium einer Ausbildung im Handwerk vor. In der Folge bleiben rund 60.000 Ausbildungsplätze unbesetzt.

Das Handwerk in Deutschland und die Situation der Ausbildungsberufe standen im Mittelpunkt des Besuchs der Jungen Union (JU) Mannheim am Montag, den 08. Juli 2019, beim Handwerksbetrieb AKV Metallbau GmbH in Mannheim-Seckenheim. Nach einer Besichtigung des auf Systemprofilbau spezialisierten Familienbetriebs diskutierten die Jungpolitiker mit Sebastian Busch, dem Geschäftsführer der AKV Metallbau GmbH, Tobias Menzer, dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Rhein-Neckar, und dem Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Rhein-Neckar Achim Bauer über die Zukunft des Handwerks in Deutschland und insbesondere in Mannheim.

Innerhalb des letzten Jahrzehnts haben rund acht Prozent der in Mannheim ansässigen Handwerksbetriebe ihren Sitz aus der Stadt in die umliegenden Landkreise verlegt. Diese Abwanderungsbewegung ist nicht nur in Mannheim, sondern in vielen Städten und Ballungsräumen zu beobachten. „Die Kosten, insbesondere die Gewerbesteuerhebesätze, in den Städten sind zu hoch. Die Betriebe können sich nicht vergrößern, weil es keine geeigneten Gewerbeflächen gibt. Die Bauauflagen sind zudem häufig erdrückend.“, erklärte Tobias Menzer diesen Trend. „Durch den Wegzug der Betriebe leidet die Nahversorgung der Menschen in den Städten. Die Wartezeiten für Termine mit Handwerkern werden immer länger. Gerade für kleine Reparaturen machen sich die Fahrtkosten schnell bemerkbar, die stets einkalkuliert werden müssen.“, ergänzte Sebastian Busch. Außerdem entgingen den Städten erhebliche Gewerbesteuereinnahmen. Die Mitglieder der JU Mannheim waren sich einig, dass die Stadt Mannheim die Bedingungen für das Handwerk verbessern muss, um eine weitere Abwanderung der Betriebe aus der Stadt zu verhindern.

Besichtigung der AKV Metallbau GmbH

Besichtigung der AKV Metallbau GmbH

Neben den finanziellen und regulatorischen Belastungen stellt der Fachkräftemangel die größte Herausforderung für das Handwerk in Deutschland dar. Die Personalsuche der Betriebe gestaltet sich immer schwieriger. Dies ist unter anderem auf die fortschreitende Akademisierung der Gesellschaft und den hohen Konkurrenzdruck durch die Industrie zurückzuführen.

„Viele Abiturienten, die durch das G8 häufig gerade erst 18 Jahre alt geworden sind, werden auf der Universität zwischengeparkt, weil sie nicht wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Nicht jeder, der heute Abitur macht, ist für eine akademische Laufbahn gemacht. Die Gymnasien müssen erkennen, dass sie nicht ausschließlich Lieferanten der Hochschulen sind. Stattdessen müssen wir Bildungspartnerschaften zwischen dem Handwerk und den Gymnasien einrichten.“, zeigte sich Achim Bauer, Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Rhein-Neckar, überzeugt. Den Schülern müsse viel stärker als bisher die riesige Bandbreite des Handwerks vermittelt werden. Das Erlernen eines Ausbildungsberufs schließe ein Studium auch nicht aus. Viele Fachverbände für die einzelnen Handwerksberufe hätten zudem maßgeschneiderte Programme zur Rekrutierung von Führungskräftenachwuchs entwickelt. „Die Berufsorientierung insbesondere an Gymnasien muss ausgebaut werden. Ein- oder zweiwöchige Berufspraktika in der Schulzeit sind nicht ausreichend, um ein adäquates Bild der Handwerksberufe zu vermitteln. Der Kontakt zwischen den Gymnasien und dem Handwerk muss deutlich intensiviert werden.“, fügte Philipp Rudi, Kreisvorsitzender der Jungen Union Mannheim, hinzu.

v.l.n.r.: Philipp Rudi, Tobias Menzer, Achim Bauer & Sebastian Busch

v.l.n.r.: Philipp Rudi, Tobias Menzer, Achim Bauer & Sebastian Busch

Damit das Handwerk im Konkurrenzkampf mit den Hochschulen um die besten Bewerber bestehen kann, muss auch ein Umdenken bei den finanziellen Anreizen stattfinden. Bisher wird der Besuch von weiterführenden Schulen durch lange Kindergeldzahlungen und die Familienversicherung gefördert. Bei Antritt einer Ausbildung hingegen müssen hohe Kosten von den Auszubildenden getragen werden. „Wir brauchen eine Umschichtung der finanziellen Anreize.“, gab Menzer zu bedenken. Auch den Handwerksbetrieben würden durch die Ausbildung von Lehrlingen hohe Kosten entstehen. „Wenn ein Auszubildender ausgelernt hat, wird er häufig von der Industrie abgeworben. Die kleinen Handwerksbetriebe bleiben dann auf den Kosten sitzen. Der Staat sollte die Ausbildung im Handwerk viel stärker finanziell fördern.“, so Menzer.

Auch die Zukunftsfähigkeit des Handwerks in Zeiten voranschreitender Digitalisierung wurde in der Diskussion thematisiert. „Das Handwerk kann sehr flexibel auf Veränderungen reagieren.“, waren sich die drei Handwerksvertreter einig. „Die individuelle Fertigung von Produkten kann deutlich besser durch das Handwerk geleistet werden als durch die Industrie. Das wird auch in Zeiten der Digitalisierung noch so sein.“, so Busch.

Mit seinen guten Verdienstmöglichkeiten, flachen Hierarchien und geregelten Arbeitszeiten wird das Handwerk auch in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber sein. Aufgabe der Politik müsse es sein, die Betriebe bei der Personalsuche zu unterstützen und regulatorische Hürden abzubauen, waren sich die JU-Mitglieder abschließend einig. Die Junge Union Mannheim hat in einem Konzeptpapier mit dem Titel „Meister statt Master: Ausbildungsberufe stärken – Fachkräftemangel beheben“ Vorschläge zur Behebung des Fachkräftemangels ausgearbeitet und setzt sich in der Stadt Mannheim und darüber hinaus für deren Umsetzung ein.

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