Helfen Blitzer, Schwellen oder Sperrung?

 

 

Die Stadt will die Raser in der Kunststraße stoppen. Dazu soll der zuständige Ausschuss des Gemeinderats heute außerplanmäßig 80 000 Euro genehmigen, um in N 7 bei der „Galeria Kaufhof“ dauerhaft ein modernes, digitales Gerät zur Tempokontrolle aufzustellen. Aber einigen Anwohnern und Stadträten reicht das nicht. Sie fordern, dass die Stadt noch mehr durchgreift. Auch eine nächtliche Sperrung der Kunststraße ist im Gespräch.

„Die Errichtung einer Blitzanlage kann nur ein Teil vom Ganzen sein“, so Harald Steiger, Vorsitzender des Friedrichsplatz-Vereins. Er hatte im Frühjahr mit dem Bürger- und Gewerbeverein Östliche Innenstadt sowie dem „Netzwerk Kapuzinerplanken“ einen von mehreren Hundert Bürgern unterzeichneten Brief an den Oberbürgermeister und die Polizeipräsidentin gesandt. Darin forderten sie große, auffällige Schilder mit Hinweis auf die Tempo-30-Zone, Markierungen auf der Straße, mehr Kontrollen, stationäre Blitzer, aber auch den Einbau von Schwellen und die Sperrung einiger Durchfahrten außerhalb der Geschäftszeiten.

Zwar werde die geplante Radaranlage in N 7 von den Initiatoren und Anwohnern „sehr begrüßt“, so Wolffried Wenneis im Auftrag des Bündnisses auf Anfrage des „MM“. „Wir sind aber der Ansicht, dass dies durch weitere Maßnahmen flankiert werden muss, um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen“, so Wenneis, worüber man demnächst mit Stadt und Polizei sprechen werde.

Ergebnisse der Kontrollen

Bei Messungen der Stadt, die das Tempo jedes Fahrzeugs registrierte, ohne dass das Kennzeichen erfasst wurde, waren in der Kunststraße von fast 45 000 Fahrzeugen annähernd 11 000 Fahrzeuge (24,3 %) zu schnell. Die Spitzengeschwindigkeit betrug 123 km/h (statt Tempo 30!).

Im Juli und September gab es drei große Kontrollaktionen der Polizei.

Bei der ersten Aktion registrierte man 32 Geschwindigkeitsverstöße, wobei die Höchstgeschwindigkeit in der Tempo-30-Zone 63 km/h und in der Tempo-50-Zone 105 km/h betrug. Neun Motorradfahrer hatten keinen Helm auf, 19 Fahrer telefonierten, vier Fahrer erhielten eine Anzeige wegen Lärmbelästigung. Ein Fahrer beleidigte die Polizeibeamten, einer hatte zu viel getrunken.

Kurzfristige Beruhigung

Nach seiner Aussage hat sich die „Raser-Situation wie immer mit Beginn der kühleren Jahreszeit etwas beruhigt, in der Kunststraße eher als am Friedrichsplatz“. In jedem Fall hätten die drei großen Kontrollaktionen der Polizei im Juli und September „kurzfristig zu einer Beruhigung geführt, aber nach wenigen Tagen war wieder das alte Niveau erreicht“, beklagt Wenneis. Statt schneller Autofahrer gebe es derzeit „mehr Motorräder, die in Gruppen demonstrativ und extrem laut durch die Kunststraße fahren.“

Die Grünen haben daher nun beantragt, die Fressgasse und die Kunststraße zwischen 22 und 5 Uhr für den Durchgangsverkehr zu sperren. „Der nächtlichen Lärmbelastung muss dauerhaft Einhalt geboten werden. Kontrollen können dem nur partiell entgegen wirken“, so Stadtrat Gerhard Fontagnier. „Der Verkehr soll ab Wasserturm und Stadthaus umgeleitet werden. Anwohner wären davon ausgenommen“, ergänzt sein Fraktionskollege Matthias Meder. Den geplanten Blitzer begrüße man, weil so „endlich die Beschwerden der Anwohner ernst genommen werden“, zumal ihn die Grünen „bereits vor rund zwei Jahren vorgeschlagen haben“, ruft Meder in Erinnerung.

SPD für Modellversuch

Die Junge Union wiederum sagt, dass sie eine Radaranlage vor N 7 bereits 2012 angeregt habe. „Die Erfahrung zeigt, dass man mit der Hoffnung auf Einsicht bei Rasern oft nicht weiterkommt“, betont die Kreisvorsitzende Katharina-Sarah Dörr. „Der Lärm durch oftmals geltungsbedürftige Raser beeinträchtigt die Lebensqualität der Anwohner, aber auch der Café-Besucher beträchtlich und kann nicht länger toleriert werden“, so Dörr weiter. Die JU hätte sich aber zwischen N 1 und N 7 auch Aufpflasterungen vorstellen können, ähnlich denen in der Langen Rötterstraße.

Für die CDU begrüßte Stadtrat Steffen Ratzel die neue Blitzeranlage als „weiteren wichtigen Schritt zur Bekämpfung des Verkehrsrowdytums“, der allein aber nicht ausreiche. Nötig seien „entschieden mehr Kontrollen, empfindliche und spürbare Bußgelder und Fahrverbote“.

Die nächtliche Sperrung der Kunststraße lehne die CDU aber strikt ab, so Ratzel, „weil wir eine attraktive Innenstadt auch nach Geschäftsschluss haben wollen und brauchen“. Die Menschen müssten das reichhaltige kulturelle und kulinarische Angebot mit dem Auto gut erreichen können. „Die Quadrate sind der Einzelhandels-Magnet für die gesamte Region. Anziehungspunkt für unreife Raser und Poser wollen wir nicht länger sein!“

Die hohe Zahl an Geschwindigkeitsübertretungen rechtfertigen für den sicherheitspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Dr. Boris Weirauch die Aufstellung eines festinstallierten Blitzers in der Kunststraße. „Die Anwohner in der Innenstadt sind unbestritten erheblich durch Straßenlärm belastet“, so Weirauch. Vorausgesetzt die ungehinderte Zufahrt für Anwohner ist gewährleistet, stehe die SPD deshalb einem nächtlichen Durchfahrtsverbot in Fressgasse und Kunststraße im Rahmen eines Modellversuches offen gegenüber, so der Stadtrat.

© Mannheimer Morgen, Dienstag, 08.10.2013

 

© Junge Union Baden-Württemberg